Neurophysiologische Bewegungsschulung und Entwicklungsförderung sowie Hörtraining Johansen und Physiotherapie Oberursel
kind

Neurophysiologische Entwicklungsförderung (INPP)

Diagnostik und Behandlung neurophysiologischer Entwicklungsverzögerungen bei Kindern mit

Hintergrund
Institut für Neurophysiologische Psychologie (INPP) (Sally Goddard) Das INPP in Chester / England hat in langjähriger Forschungsarbeit das Fortbestehen frühkindlicher Reflexe als Ursache für Reifungsstörungen des Zentralen Nervensystems erkannt.

Bei einem hohen Prozentsatz von Kindern mit spezifischen Problemen

wurden – trotz normaler Intelligenz – noch frühkindliche Reflexe gefunden.

Aufgrund dieser Forschungsergebnisse wurde ein Therapiekonzept entwickelt, das mit Hilfe spezieller Bewegungsübungen die Ausreifung und Hemmung dieser Reflexe bewirkt. An der Queen’s University Belfast wurde dieser Behandlungsansatz einer sorgfältigen Überprüfung nach standardisierten Methoden unterzogen und der wissenschaftliche Nachweis über die Wirksamkeit des vom INPP entwickelten Bewegungsprogramms geführt. Veröffentlicht wurde die Studie in der medizinischen Fachzeitschrift »The Lancet« im Februar 2000.

Ursachen
Leben und Bewegung sind untrennbar miteinander verbunden. Bereits im Mutterleib muss ein Kind sich bewegen, um sich entwickeln zu können. Dabei helfen dem Kind Reflexe, die automatisch ablaufend die Bewegungen steuern.

Jedes Kind wird mit einem Set frühkindlicher Reflexe (auch »Überlebensreflexe« genannt) geboren. Mit Fortschreiten der Hirnreifung und der damit verbundenen Entwicklung der Willkürmotorik müssen diese ersten (frühkindlichen) Reflexe gehemmt oder in Haltungsreflexe umgewandelt werden. Diese ermöglichen es dem Kind, nach einer Phase gründlicher Einübung im Laufe des ersten Lebensjahres, sich nach und nach willkürlich zu bewegen, zu drehen, zu krabbeln, zu sitzen, sich aufzurichten und schließlich zu laufen. Läuft dieser Entwicklungsprozess zum Beispiel auf Grund von Störungen in der Schwangerschaft oder durch Probleme bei der Geburt oder im Kleinkindalter nicht »nach Plan«, können einige der frühkindlichen Reflexe im Körper »aktiv« bleiben und die nachfolgende Entwicklung der Bewegung, der Augenmuskelmotorik, der Augen-Hand-Koordination, der Lateralisierung (Seitigkeit) und der Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen. Ein solches Kind kann bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben nicht sein volles Potenzial entfalten, obwohl es allem Anschein nach »normal« ist.

Zu den eigentlichen Problemen gesellen sich dann häufig Verhaltensprobleme wie auch Hyperaktivität und Ängste.

Empfehlungen
Die Neurophysiologische Entwicklungsförderung richtet sich an Kinder und Jugendliche mit fortbestehenden frühkindlichen Reflexen. Die physiologischen Entwicklungsabfolgen von Bewegung und Wahrnehmung konnten nicht erfolgen. Da mit Beginn der Schulreife die Schwierigkeiten nochmals in den Vordergrund treten, liegt hier das Testalter bei ca. 7 Jahren. Auch jüngere Kinder mit etwas Kooperationsbereitschaft können an dem Programm zur Entwicklungsförderung teilnehmen.

In dem Moment, wo die Hirnfunktionen vollständig und abgewogen ablaufen, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung, ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten ein ganz natürlicher Zustand.« (A. Jean Ayres)

Welche Kinder sind betroffen
Unabhängig von ihrer Intelligenz zeigen Kinder mit neurophysiologischen Entwicklungsverzögerungen in verschiedenen Lebensbereichen oft mehrere der folgenden Verhaltenssymptome:

Im Vorschulalter

Im Schulalter

Viele dieser Symptome findet man bei Kindern mit ADS / ADHS.

Erläuterung zur Neurophysiologischen Entwicklungsförderung

1. Die Anfangsberatung
Mit Hilfe eines umfangreichen Fragebogens werden Einzelheiten über die bisherige Entwicklungsgeschichte des Kindes zusammengetragen, die Aufschluss darüber geben können, ob seine Probleme einen neurophysiologischen Hintergrund haben. Bestärkt die Auswertung des Fragebogens diese Vermutung, wird den Eltern vorgeschlagen, eine weiterführende etwa 3 bis 3,5-stündige diagnostische Erfassung des neurophysiologischen Entwicklungsstandes des Kindes vornehmen zu lassen.

2. Die diagnostische Untersuchung
Während dieser umfangreichen Untersuchung wird gründlich überprüft, ob und welche Probleme das Kind unter anderem in folgenden Bereichen zeigt:

3. Besprechung der Testergebnisse
Zwei bis drei Wochen nach der diagnostischen Untersuchung werden mit den Eltern die Testergebnisse ausführlich besprochen: Während diesem mindestens 1 bis 2-stündigen Termin werden die gefundenen Ergebnisse detailliert erläutert und zu den Problemen, die das Kind hat, in Beziehung gesetzt.

Wenn die Ergebnisse der diagnostischen Tests eine klare Bestätigung dafür liefern, dass die erzieherischen Schwierigkeiten des Kindes eine neurophysiologische Grundlage haben, wird den Eltern und dem Kind vorgeschlagen, ein auf dieses Kind zugeschnittenes häusliches Übungsprogramm durchzuführen.

»Wenn man ein Haus baut, sollte man nicht mit dem Dach anfangen, sondern mit dem Fundament.«

Oder wie es Sally Goddard ausdrückt:

»Bevor Kinder in der Schule das ABC lernen, sollten sie das physische A (Aufmerksamkeit) B (Balance) C (Coordination) beherrschen.«

4. Das häusliche Übungsprogramm
Die Einweisung in das Übungsprogramm kann bis zu einer Stunde dauern. Jede einzelne Übung wird dem Kind und den Eltern detailliert gezeigt und mit ihnen geübt. Für alle Übungen werden genaue schriftliche Anleitungen mitgegeben. Sie müssen täglich durchgeführt werden, wobei die Eltern oder eine andere eingewiesene Person unbedingt den Übungsablauf unterstützen und überwachen sollte. Sie beanspruchen je nach Art und Menge der gegebenen Übungen max. 20 Minuten Zeit pro Tag.

5. Wiedervorstellung
Nach sechs bis acht Wochen Übungsprogramm wird überprüft, ob die Übungen den erwünschten Erfolg zeigen. Erneute Tests geben darüber Aufschluss, ob im Reflexprofil des Kindes bereits Veränderungen eingetreten sind.

Falls erforderlich, wird das Übungsprogramm abgeändert. Neu auftretende erzieherische Aspekte werden ausführlich erörtert. Diese Wiedervorstellungen werden dann bis zur Beendigung des Programms alle acht Wochen wiederholt.